Im nördlichen Ausfluß der Neuendorfer Wiek, dicht vor der Einmündung der Wiek in den Breetzer Bodden, liegt, umgeben von seichtem Wasser, die Vogelinsel Beuchel. Die Geschichte der Insel läßt sich bis 1497 zurückverfolgen. Seit dieser Zeit änderten sich fortwährend die Besitzverhältnisse bis 1945, und es ist verständlich, daß sich unter solchen Umständen der Vogelbestand auf diesem 3,8 ha großen Eiland nicht so entwickeln konnte, wie man das heute in einem Tierschutzgebiet unbedingt verlangen muß. Dauernde Nutzung durch Heuwerbung oder Viehauftrieb brachten mehrmals den Vogelbestand zum Erliegen. Fand sich wieder ein Pächter, der mehr Verständnis für die dort brütenden Seevögel aufbrachte, so erholte sich die Kolonie meist schnell wieder, und zu manchen Zeiten war die kleine Insel im Breetzer Bodden ein wahres Vogelparadies.
Wann die Insel Beuchel das erstemal als Seevogelinsel genannt wurde, entzieht
sich unserer Kenntnis. Wir wissen aber, daß sie H ü b n e r 1908
kannte und daß
R o b i e n -
wie Niethammer mitteilt - 1927 das Brüten der Raubseeschwalbe dort
vermutete. Den artenreichsten und zahlenmäßig vielleicht stärksten
Vogelbestand hatte die Vogelinsel Beuchel von 1935 bis 1938 aufzuweisen.
In diesen Jahren hatte L e i c k , der damalige Direktor der Biologischen
Forschungsstation auf Hiddensee, die Insel für sein Institut gepachtet.
Es unterblieb jede wirtschaftliche Nutzung des Eilandes, von dem Schönnagel
1938 berichtete, daß dort etwa 3000 Paare Lachmöwen, 200 Paare
Sturmmöwen und 12 paare Flußseeschwalben gebrütet hätten.
Schulz, der die Insel nach Kriegsende (1943) besuchte, berichtet, daß
auf dem Beuchel 16 der damalige Pächter 15 000 Möweneier sammelte,
obwohl die Insel bereits 1940 als Naturschutzgebiet des Kreises Rügen
geführt wurde. Wie es 1943 auf der Insel Beuchel aussah und welche
Vogelarten dort brüteten, berichtet uns der gleiche Autor. Er fand
bei seinem Besuch zur Brutzeit noch 2000 Paare Lachmöwen, 150 bis 175
Paare Sturmmöwen und 134 Nester der Flußseeschwalbe. Ferner sah
er 25 Weibchen der Löffelente und 15 Paare Mittelsäger.
Die letzten Kriegs- und vor allem die Nachkriegsjahre brachten den völligen
Untergang der einst so großen Seevogelkolonie. Als der Verfasser sich
auch um die Insel Beuchel und ihre Vögel bemühte, fand er mit
seinen Helfern nur noch 2 Paare Sturmmöwen mit ihren Gelegen, sonst
war nichts weiter zu beobachten, weil auf der Insel laufend die Gelege gestohlen
wurden und eine übergroße Herde von Schafen und einigen Rindern
das Eiland dauernd beunruhigten.
Nach Abschaffung der Viehweide, Bestellung eines örtlichen Schutzbeauftragten
und Aufklärung der Bevölkerung gelang es mit intensiven Schutzmaßnahmen,
nach und nach die Seevögel wieder anzusiedeln, bis der einstige Vogelbestand
mit Ablauf der Brutsaison 1957 als wiederhergestellt angesehen werden konnte.
In diesem Jahre brüteten auf der Insel Beuchel: 8 Paare Stockenten,
5 Paare Krickenten, 16 Paare Löffelenten 12 bis 14 Paare Mittelsäger,
2 Paare Sandregenpfeifer, 4 Paare Kotschenkel, l Paar Austernfischer, 100
bis 120 Paare Flußseeschwalben, 40 bis 50 Paare Sturmmöwen und
2500 Paare Lachmöwen.
Ein so großer Vogelbestand auf kleinstem Raum ist naturgemäß
gewissen Schwankungen unterworfen. So nahm in den letzten 2 Jahren der Bestand
der Mittelsäger ab, wogegen die Löffelenten auf zirka 35 Paare,
die Lachmöwe sogar auf 3500 Paare anstiegen. Während der Sandregenpfeifer
vorläufig von der Vogelinsel Beuchel verschwunden ist, stellte sich
dafür die Silbermöwe ein. Das erfordert erhöhte Aufmerksamkeit,
weil ein großer Bestand von Silbermöwen sich recht ungünstig
auf das biologische Gleichgewicht innerhalb einer Seevogelkolonie auswirken
kann.
Hellmuth
Dost


Die
Vogelinsel
Beuchel